Tarifvertrag für das bäckerhandwerk niedersachsen

J. Wolthuis. Niedrigere technische Ausbildung in den Niederlanden 1798-1993. Aufstieg und Fall eines Teilsystems. Dissertation Universität Groningen Auf den ersten Blick scheint es plausibel, den Ansatz der Pfadabhängigkeit aufzugeben, wenn es darum geht, die Ursprünge nationaler institutionen der politischen Ökonomie zu erklären. Schließlich hatten die meisten Länder kaum nationale sozioökonomische Institutionen, als “moderne” nationale politische Ökonomien geschmiedet wurden. Doch das Fehlen eines nationalen Weges bedeutet nicht notwendigerweise, dass die nationalen politischen Ökonomien aus heiterem Himmel entstanden sind. Wie Scott (2008, S. 94) es ausdrückt: “[i]nstitutions entsteht nicht in einem Vakuum; sie fordern immer kredite an und verdrängen in unterschiedlichem Maße frühere Institutionen.” Wie dieser Artikel zeigen soll, gab es beim Bau nationaler politischer Wirtschaftsinstitutionen häufig einen Weg oder Wege – aber nicht auf nationaler Ebene. Diese Wege waren von lokalen und Handelsgemeinschaften beschritten worden und hatten lange historische Linien. Doch als im Laufe des 19.

und frühen 20. Jahrhunderts “moderne” nationale politische Ökonomien geschaffen wurden, standen oft verschiedene Wege (oder “Welten”: Sabel und Zeitlin 1985, 2002) zur Verfügung. Dieser Artikel soll erklären, wie in den drei ausgewählten Ländern ein bestimmter Weg den Kurs der nationalen politischen Ökonomie und der Bürgerschaftsbildung diktieren könnte und andere nicht. Die zentrale Frage in diesem Artikel lautet daher: “Wie haben Gildentraditionen den Übergang zur modernen Gesellschaft, einschließlich der Umwandlung lokaler in nationale Bürgerrechte, in westeuropäischen Ländern geprägt?” Basierend auf der Analyse der drei Länder, die wir für unsere Analyse ausgewählt haben, kommen wir zu dem Schluss, dass die in der Literatur vorgebrachten Behauptungen über die Bedeutung von Gildentraditionen bei der Bildung nationaler politischer Ökonomien nur teilweise richtig sind. Erstens haben wir gezeigt, dass in den drei Ländern die formelle Abschaffung der Zünfte nicht automatisch das Ende der alten Regulierungsmechanismen bedeutete. In der Praxis blieben Handwerker oft in der Lage, den Zugang zu ihrem Handel und ihrer Qualifikationsbildung bis weit ins 19. Jahrhundert hinein zu regulieren. Hier zeigt unsere Analyse die Fruchtbarkeit eines Ansatzes, der nicht nur die Entwicklung formaler wirtschaftlicher und politischer Institutionen berücksichtigt (siehe z.B. Crouch 1986, 1993 und Cusack et al. 2007), sondern auch die wirtschaftlichen Entwicklungen analysiert (vgl. Kocka 1984 1986; Breuilly 1985; Herrigel 1993 1996; Crossick 1997), wie wir uns hier beworben haben. Durch die Analyse verschiedener Arten von Berufen – jedes mit seinen eigenen institutionellen und technologischen Eigenschaften – können wir besser verstehen, wie und warum Gildentraditionen in einigen Berufen und nicht in anderen überlebthaben und wie und ob sie von der lokalen auf die nationale Ebene skaliert werden könnten.

Wenn wir die möglichen Antworten auf unsere drei Fragen kombinieren, können wir sechs Szenarien unterscheiden, was im 19. Jahrhundert mit einzelnen Berufen geschehen sein könnte (siehe Tabelle 1). Anderson, K., & Oude Nijhuis, D. (2012). Der lange Weg zur kollektiven Kompetenzbildung in den Niederlanden. In M. R. Busemeyer & C. Trampusch (Eds.), The Political Economy of collective skill formation (S. 101–125). Oxford: Oxford University Press.

Steinmetz (1993, S. 44) behauptet, dass die Schaffung dieser “protokorporatistischen” Strukturen auch “den Grundstein für den vollwertigen Korporatismus Weimars gelegt und die Grundlinien der “Sozialpartnerschaft” der Bundesrepublik Deutschland verstummt habe. Während sich bereits um die Jahrhundertwende zweiteilige korporatistische Strukturen auf regionaler Ebene im industrialisierten und liberalisierten Handwerk institutionalisierten und Tarifverträge vervielfachten, wurden tarifäre Verhandlungen nach dem Ersten Weltkrieg auch in großen Industrien wie Metall- und Maschinenbau, wenn auch auf sektoraler Ebene, zum Standard.